La grande bellezza

Paolo Sorrentino, Italie, France, 2013o

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Rome dans la splendeur de l’été. Jep Gambardella jouit des mondanités de la ville. Journaliste à succès, séducteur impénitent, il a écrit dans sa jeunesse un roman qui lui a valu un prix littéraire et une réputation d’écrivain frustré : il cache son désarroi derrière une attitude cynique et désabusée qui l’amène à poser sur le monde un regard d’une amère lucidité. Revenu de tout, Jep rêve parfois de se remettre à écrire, traversé par les souvenirs d’un amour de jeunesse auquel il se raccroche, mais y parviendra-t-il ? Surmontera-t-il son profond dégoût de lui-même et des autres dans une ville dont l’aveuglante beauté a quelque chose de paralysant.

La Grande Bellezza a remporté plus de 50 prix internationaux, dont quatre européens, l'Oscar et le Golden Globe du meilleur film en langue étrangère. Contre cet enthousiasme, les critiques se sont plaints que le grand cirque d'un Fellini et l'âme d'un Antonioni étaient ici datés. En effet, les références sont sans équivoque : Toni Servillo déambule avec tant de douceur et d'ironie dans le chic romain comme l'a fait Marcello Mastroianni dans les La dolce vita et La notte de 1960, l'omniprésence du passé rappelle Otto e mezzo, l'exagération dans le grotesque de Casanova, Roma, Satyricon ... Mais elle ne s'arrête pas au déjà vu, car Sorrentino, pour sa part, a une passion irrépressible pour l'artisanat cinématographique et propose ses propres idées de mise en scène. Malgré toutes les réserves, La Grande Bellezza reste l'un des grands feux d'artifice cinématographiques des années 2010.

Andreas Furler

Fellini : son ombre plane sur La Grande Bellezza ; non comme modèle à imiter, mais comme source d'inspiration. Sans jamais perdre de son ironie, Paolo Sorrentino passe insensiblement, irrésistiblement, de la démesure à la retenue.

Pierre Murat

Paolo Sorrentino («This Must Be the Place») hat für diese bezaubernde Komödie einen Haufen schräger Episoden zu einer Assoziationskette mit viel Bling-Bling zusammengehängt. La grande bellezza ist ein ultraschrilles Leinwand-Fresko, im Stil irgendwo zwischen Michelangelo, Fellini und David LaChapelle, dem Kitsch-Pop-Surrealisten.

Andreas Scheiner

Stilisierter, gefälliger Bilderbogen über das mondäne Leben des alternden Playboys Jep im hochsommerlichen Rom. Hinter der "Großen Schönheit" klafft ein wenig Nostalgie - und das große Nichts. Paolo Sorrentino plündert dabei Federico Fellini und reduziert ihn auf einen morbiden Schick. Besteht seine eigene Begabung nur darin, sie doppelt zu unterstreichen?

Philipp Stadelmaier

Galerie photoso

rogerebert.com, 04/09/2013
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indiewire.com, 21/02/2014
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23/07/2013
Rom, geschlossene Stadt

Die Stadt als Fotoshooting: In "La Grande Bellezza" begibt sich Paolo Sorrentino auf eine imaginäre Reise durch Rom. Doch der Film besteht aus einer Parade austauschbarer Motive. Schamlos klaut Sorrentino aus dem Werk von Federico Fellini.

De Philipp Stadelmaier 

Die Stadt ist heiß. Furchtbar heiß, furchtbar schön - und furchtbar leer. Mitten im Sommer, in der prallen Mittagshitze, ist Rom ausgestorben. Fast schwerelos gleitet die Touristengruppe aus Japan über menschenleere Straßen, Plätze, Brunnen, Monumente. Ob sie unter ihren Sonnenschirmen und hinter den Linsen ihrer Digitalkameras überhaupt noch Kontakt haben mit der Ewigen Stadt? Ist das, was wir da sehen, noch die Ewige Stadt oder schon ihr ewiges Nachbild?

Die Touristen machen brav ihre Fotos, in einem Säulengang über einem Brunnen singt ein Frauenchor ein Requiem. Plötzlich bleibt einer der Japaner, den Fotoapparat in der Hand, erschrocken stehen, fasst sich ans Herz - und kippt um. Zu viel Hitze, zu viel Schönheit und auch zu viel Leere. Rom, das ist in "La Grande Bellezza - Die große Schönheit" von Paolo Sorrentino von Anfang an ein Sarkophag: ein Ort für sich zu Tode fotografierende Touristen und ein selbst zu Tode fotografierter Ort. An dem die große Schönheit die große Leere, das Nichts, den Tod trifft.

Weniger Partylöwe als Zeremonienmeister

Nach diesem ruhigen Prolog brennt Sorrentino dann erst mal ein irres Feuerwerk ab. Eine wilde Party tobt in einem Club, farbsattes Licht pulsiert durch die römische Nacht, man tanzt zur Clubversion von "Tu vuò fà l'americano". Die Körper kreischen sich ihre Geilheit zu, man wackelt narzisstisch, lässt Bittsteller zappeln.

Inmitten der Menge thront Jep Gambardella, alternder Schönling und Frauenheld, Besitzer dieser exklusiven Location, Mitte sechzig, sehr gepflegt in seinen zurückgekämmten Haaren, seinen meerblauen Augen und teuren Maßanzügen. Alles dreht sich um ihn, den "König des mondänen Rom". Bis sich seine innere Stimme über den Rausch erhebt und darüber sinniert, was er immer als das Schönste im Leben empfunden habe. Nicht etwa, wie so viele, "die Möse". Sondern "den Geruch in den Wohnungen alter Leute". Jep, das ist weniger ein großer Partylöwe als der Zeremonienmeister einer einzigen Vanitas-Show.

Die Feier könnte auch ein Werbespot für Martini sein, dessen Leuchtlogo groß gegenüber von Jeps Loft prangt. Später wird er, der Fürst in seinem Reich, dann mit Foto- und Touristenblick durch ein dekadentes Bilderbuch- und Postkartenreich flanieren, in dem sich ihm allerlei Attraktionen darbieten: Mal ist es Fanny Ardant oder das Wrack der Costa Concordia, mal eine Künstlerparty, ein verborgenes Palais, ein Zauberer, der nur für ihn eine Giraffe verschwinden lässt.

Es ist wie bei einem einzigen Fotoshooting. Als würden die Bilder extra für die Kamera oder für Jep posieren. Tatsächlich gehen sie niemanden irgendetwas an. Hinter ihnen lauert das große Nichts. Alles wird nur einmal gezeigt, verschwindet von der Bildfläche, spielt bald keine Rolle mehr. Der Film besteht in einer einzigen Parade von austauschbaren Motiven, die Jep wohlwollend, aber stets gelangweilt abnimmt.

Monument der Selbstherrlichkeit

Seinen kulturbourgeoisen Freunden verkündet er, wie kaputt sie alle seien, die einfachen und "alten Leutchen" bewundert er für ihre Authentizität. Aber das wirkt nur um so herablassender: Wenn er auch die Dekadenz, die den Wohlhabenden umgibt, wenn er bei einer alten Ordensschwester oder in der Erinnerung an eine alte erste Liebe Erlösung sucht - so bleibt das ohne jede Folge.

So steht er bald fasziniert vor dem Werk eines Künstlers, der sich tausendfach selbst fotografiert hat. Ganz Rom wird hier gigantisches Monument einer Selbstherrlichkeit, die völlig ausgehöhlt ist. Früher war Jep mal ein erfolgreicher Schriftsteller, einen einzigen Bestseller hat er geschrieben, danach nie wieder etwas.

Tote Bilderurnen und Vergangenheitskonserven

Im letzten Film von Sorrentino, "Cheyenne", hatte Sean Penn einen ausgedienten ehemaligen Emo-Rockstar gespielt, einen anderen schrillen, aber lethargischen und ausgedienten Künstler. Und ebenso wie Penn zeigt uns auch Toni Servillo im neuen Film eine leblose, roboterartige Karikatur mit monoton näselndem Tonfall, reduziert auf einen einzigen Gesichtsausdruck, eine einzige Attitüde. Eine Überzeichnung, die beinahe schon ihr Nicht-Dasein spürbar macht.

Sorrentino scheint mit Vorliebe solche Nullen zu zeigen und sie mit einer glänzenden, posierenden, gefälligen Bilderwelt zu umgeben. Die ihrerseits zu nichts zerfällt. Wozu also der ganze Aufwand? Weil Sorrentino, ebenso wie Jep, auf eine wirklich schamlose Art unbegabt ist? Weil seine einzige Begabung darin besteht, diese doppelt zu unterstreichen - und damit ihre Nichtigkeit?

Ebenso wie Jep Gambardella seine Stadt aussaugt, um über die eigene Leere hinwegzukommen, ebenso plündert Sorrentino die Filmografie von Federico Fellini, in dessen Werk Rom eine zentrale Rolle einnahm. Jep könnte ein gealterter Marcello Mastroianni aus "La dolce vita" sein. Schon da war ein Journalist durch das mondäne Leben der Stadt gestolpert. Aber Jep stolpert nur noch durch eine Reihe von Fellini-Anspielungen.

Die Möse ist ja auch ein Eingang

Da ist etwa die Gartenparty mit einer Schaukel, die vom Himmel zu hängen scheint, die Sitzung in den Gemächern eines scharlatanischen Heilers, der Besuch bei einigen "Principessas", die wie Geister im Hinterzimmer eines Palazzo Karten spielen, die Giraffe in antiken Ruinen, die steinalte, weise Missionarin, die sich nur von Wurzeln ernährt: alles Postkarten aus Fellinis Universum, von "Julia und die Geister" bis "Roma".

So verspricht uns mit einem Céline-Zitat Sorrentino am Anfang eine "imaginäre Reise" - wie in einem Film von Fellini. Bei dem war jeder skurrile Moment dazu da, um zu einem nächsten zu führen, war ein Eingang zu einem weiteren, zu einer steten Neuöffnung der Welt. Das machte ihre Lebendigkeit aus. Das Vergangene war bei Fellini nie nostalgisch verklärt, sondern stets Keim der Lebendigkeit und der Frische im unvermeidlichen Zulauf der Gegenwart auf den Tod. Und wenn "La dolce vita" auch eine leere und nihilistische Welt zeigte, dann war er doch selbst nie ein nihilistischer Film.

Bei Sorrentino aber gibt es keine Reise, keine Öffnung. Die Möse - auch ein Eingang - lässt Sorrentino und seine Hauptfigur eben eher kalt. Wenn er Fellini zitiert, dann, um die einzelnen Stationen seines Fellini-Katalogs aufgereiht wie tote Bilderurnen ohne Verbindung zu präsentieren, wie geschlossene Vergangenheitskonserven.

Fellini ist nie der große Meister der Opulenz und Nostalgie gewesen, als der er bis heute gerne vulgär verkitscht wird. Im Gegensatz zu Sorrentino. Einmal spricht Jep von der Beerdigung als "dem mondänen Ereignis überhaupt", während er gerade für eine Frau in einer Luxusboutique ein Trauerkleid aussucht. Auf der Suche nach der letzten großen Einkleidung, dem letzten Schick des großen alten Kinos, kommt man wohl zwangsläufig dazu, ihm ein opulentes Totengewand überzustreifen.

© Tous droits réservés Süddeutsche Zeitung. Fourni par Süddeutsche Zeitung Archiv
30/07/2013
© Tous droits réservés Filmbulletin. Fourni par Filmbulletin Archiv
Interview with Paolo Sorrentino
/ cinetfo
en / 19/01/2014 / 8‘13‘‘

Video Essay: Fellini and Sorrentino filming Rome
/ Simone Ceresato
en / 17/12/2016 / 15‘27‘‘

Kameraarbeit von DOP Luca Bigazzi für Sorrentinos Filme
Riccardo Fusetti / Riccardo Fusetti
en / 17/12/2016 / 3‘06‘‘

Besprechung
De / SRF
de / 45‘12‘‘

Données du filmo

Autres titres
La Grande Bellezza - Die große Schönheit DE
The Great Beauty EN
Genre
Comédie, Drame
Durée
142 Min.
Langues originales
Italien, Japonais, Espagnol, Chinois
Prix importants
Oscar 2014 : Meilleur film non anglophone
Ratings
cccccccccc
ØVotre évaluation7,8/10
IMDB:
7,8 (77575)
Cinefile-User:
< 10 votes
Critiques :
< 3 votes q

Casting & Equipe techniqueo

Toni ServilloJep Gambardella
Carlo VerdoneRomano
Sabrina FerilliRamona
PLUS>

Bonuso

iVidéo
Interview with Paolo Sorrentino
cinetfo, en , 8‘13‘‘
s
Video Essay: Fellini and Sorrentino filming Rome
Simone Ceresato, en , 15‘27‘‘
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Kameraarbeit von DOP Luca Bigazzi für Sorrentinos Filme
Riccardo Fusetti, en , 3‘06‘‘
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gPresse écrite
Critique rogerebert.com
Peter Bradshaw
s
Interview with Paolo Sorrentino
indiewire.com / Chiara Spagnoli Gabardi
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Critique Süddeutsche Zeitung
Philipp Stadelmaier
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Critique Filmbulletin
Michael Ranze
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Besprechung
SRF / de / 45‘12‘‘
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