Chocolat

Roschdy Zem, France, 2016o

s
vretour

Du cirque au théâtre, de l'anonymat à la gloire, l'incroyable destin du clown Chocolat, premier artiste noir de la scène française. Le duo inédit qu'il forme avec Footit, va rencontrer un immense succès populaire dans le Paris de la Belle époque avant que la célébrité, l'argent facile, le jeu et les discriminations n'usent leur amitié et la carrière de Chocolat.

Roschdy Zem contourne l’obstacle du biopic en se concentrant sur les amis et artistes. Il a intelligemment exploité le talent de James Thierrée, enfant de la balle, qui a eu carte blanche pour concevoir les numéros de clown. Ne restait qu’à mettre en place une complicité avec Omar Sy, un comédien qui a commencé sa propre carrière en duo, et nous voilà au spectacle.

Philippe Lagouche

La vertu de ce film est avant tout pédagogique : il nous enseigne un destin méconnu, nous rappelle ce que fut le racisme ordinaire dans la France républicaine de la fin du XIXe siècle, tout en brossant le tableau d’un milieu parisien du spectacle.

Serge Kaganski

Omar Sy spielt Rafael Padilla, genannt "Chocolat", der als Clown schwarzer Hautfarbe zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Frankreich großen Erfolg damit hatte, in der Manege Fußtritte und Ohrfeigen einzustecken. Hervorragender Film von Roschdy Zem, der zeigt, zu welchen Bedingungen jemand nur "als Schwarzer" erfolgreich ist und an ein Spiel gebunden ist, das er bei allem Triumph nur verlieren kann.

Philipp Stadelmaier

Galerie photoso

critikat.com, 01/08/2018
© Tous droits réservés critikat.com. Fourni par critikat.com Archiv
The Guardian, 02/11/2016
© Tous droits réservés The Guardian. Fourni par The Guardian Archiv
01/08/2018
Geschlagen, aber glücklich

Omar Sy spielt den legendären schwarzen Clown "Monsieur Chocolat", der sich fürs weiße Pariser Publikum erniedrigt.

De Philipp Stadelmaier 

Seinen wahren Namen kennt niemand, nicht einmal er selbst, denn seine Eltern waren Sklaven afrikanischer Herkunft auf Kuba. Er selbst nennt sich Raphaël Padilla, aber berühmt wird er unter dem Namen "Chocolat". Um den Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts ist der Mann in Frankreich einer der erfolgreichsten Künstler seiner Zeit. Er trägt schicke Anzüge, fährt teure Autos, nimmt viele Drogen, hat viele Frauen. Er ist ein Star, ein Liebling der Presse.

Und gleichzeitig lebt er als Schwarzer in einer Welt von Weißen, nach ihren Regeln, ihren Namen, ihrer Kunst, ihren Rassenvorstellungen. Sein Erfolg kommt zu einem immensen Preis: Wenn er geliebt werden will, muss er sich demütigen, sich erniedrigen lassen - was schon mit dem Namen "Chocolat" beginnt. Es ist der Name eines Clowns, der auf seine Hautfarbe reduziert wird.

Als Affe karikiert

Zu Anfang heißt Padilla noch Kananga und spielt mit viel Geschreie und Getobe in einem halberfolgreichen Wanderzirkus den wilden Barbaren aus dem Busch. Bis ihn schließlich der Clown Footit entdeckt und ihm vorschlägt, als Duo aufzutreten. So gehen sie ab sofort zusammen in die Manege, als weißer Clown und dummer August. Eine Novität in der damaligen Zirkuswelt. Die Sache ist ein großer Erfolg, erst im Wanderzirkus, und bald in einem privaten Theater in Paris. Ab sofort wird Padilla Abend für Abend unter dem Gejohle der amüsierten Menge Fußtritte und Ohrfeigen einstecken. Fröhlich lächelnd, versteht sich. "Geschlagen, aber glücklich" steht einmal auf einem Werbeplakat, auf dem er als Affe karikiert wird.

Bevor man Roschdy Zems Film gesehen hat, der auf der Geschichte Padillas beruht, könnte man denken, dass seine Unternehmung nur schwerlich glücken kann. Zu oft hat man im französischen Unterhaltungskino gesehen, wie rassistische Stereotype eher ausgestellt als kritisiert und unter versöhnlichen Visionen weggelacht werden. So etwa in "Ziemlich beste Freunde", mit dem Omar Sy, der hier den "Monsieur Chocolat" spielt, seinen Durchbruch hatte. Damals gab er den lustigen Schwarzen aus der Banlieue, der trotz großer Differenzen zum besten Buddy eines reichen Weißen wurde.

Aber Roschdy Zem hat seinen Film subtiler angelegt. Er reduziert die Figur Padilla nie auf seine Hautfarbe, einen sozialen Typus, ein Opfer. Er nimmt ihn einfach als Clownskünstler ernst. Sein Partner (James Thiérée), der ihm freundschaftlich verbunden ist, versichert ihm, dass es viel schwerer sei, die Leute zum Lachen zu bringen, als sie zu erschrecken - Angst machen könne schließlich jeder. Padilla, das ist zunächst einmal ein großer Körpervirtuose, ebenso wie sein Darsteller Omar Sy.

Nur dann geliebt, wenn man ihm in den Hintern tritt

Darin liegt aber schon das Dilemma: Padilla mag ein großer Künstler sein - geliebt wird er aber nur, solange man ihm in den Hintern tritt und das für alle lustig ist. Auf diese Weise wird das Weglachen problematisiert. Denn außerhalb der Rolle, die Padilla für die Weißen spielt, kann er niemals "für sich" gesehen werden. Wenn der schon berühmte Padilla einmal plötzlich verhaftet und von Polizisten gefoltert wird, die seine Haut "weiß schrubben" wollen, sieht er aus wie die dunkle Urwaldbestie mit glitzernden Augen und gelben Zähnen, welche die Gefängniswärter in ihm sehen wollen.

Hinter dieser Maske des Clowns oder der Bestie, hinter all diesen rassistischen Projektionen gibt es niemals einen "echten" Padilla. Ein militanter Haitianer in seiner Gefängniszelle versucht zwar, ihn zum Freiheitskämpfer zu machen und meint, er müsse als Künstler ein politisches Vorbild der Unterdrückten sein: Anstelle des dummen August solle er als erster schwarzer Schauspieler in Frankreich Shakespeares "Othello, der Mohr von Venedig" spielen. Aber das ist eben auch nicht er selbst, sondern eine weitere Rolle, an der er später verzweifeln wird.

Aus dem Spiel für die Weißen kommt er nicht mehr heraus. Selbst das eine Mal, als er mitten in einer Darstellung aus der Rolle fällt und zornig seinen Partner ohrfeigt: Ein entsetztes Raunen geht durch die Zuschauerränge. Da wäre er fast, der Skandal, die Revolte. Aber sofort reißt sich der Clown wieder zusammen. "Nein, Monsieur Footit, Sie träumen nicht!" scherzt er. Die Leute lachen, die Vorstellung geht weiter. Die einzige Möglichkeit, auf die eigene Misshandlung aufmerksam zu machen, sie zu denunzieren und sich dagegen zu wehren, wird sofort wieder Teil einer Clownsnummer, die alles ironisiert.

Damit zeigt dieser vorzügliche Film, dass auch er nur ein Spektakel ist. Und dass die von ihm gezeigten Probleme nur außerhalb des Spektakels und des Kinos, also in der Wirklichkeit gelöst werden können - 2016 ebenso wie um 1900. Das Problem ist weniger, dass es zu wenige "schwarze" Schauspieler wie Omar Sy im Kino gibt, sondern dass diese als Schwarze bezeichnet werden, als würden sie zuvorderst ihre Hautfarbe "darstellen". Um da herauszukommen, reicht es nicht, ein guter Clown zu sein.

© Tous droits réservés Süddeutsche Zeitung. Fourni par Süddeutsche Zeitung Archiv
Tages-Anzeiger, 31/07/2018
«Wir sind heute etwas weiter»

Der Intouchables-Star über den schwarzen Clown Chocolat, Rassismus im 19. Jahrhundert und was sich seither verändert hat.

De Jean-Martin Büttner 

Was macht einen grossen Komiker aus?

Es ist immer dasselbe: Rhythmus und ­Timing. Ein falscher Schritt, eine Geste zu viel, und es geht schief.

Schon Freud fiel auf, dass es allen peinlich wird, wenn ein Komiker versagt. Warum?

Es stimmt und ist auch interessant, aber ich weiss nicht, woher ­diese Scham rührt. Manche Komiker nutzen sie aus: Sie zögern die eigentliche Pointe heraus, indem sie zuerst eine schlechte platzieren. Wenn dann die rich­tige kommt, lacht man umso befreiter.

In «Intouchables» spielen Sie Ihre verbalen Stärken als Komiker aus, in «Chocolat» setzen Sie auf das Körperliche. Was liegt Ihnen mehr?

Die Komik der Sprache. Den physischen Aspekt der Komik lernte ich erst mit diesem Film kennen und mit meinem Filmpartner James Thierrée. Der ist darin ein Meister. Je länger wir miteinander arbeiteten, desto mehr ging der eine auf die Stärken des anderen ein. Rafael Padilla, die historische Vorlage meiner Figur, arbeitete als Clown vor allem mit seinem Körper.

Ihr Filmpartner Thierrée ist Schweizer, ein Enkel von Charlie Chaplin.

Und er hat etwas von ihm, nicht wahr? Man kommt nicht drauf, ausser wenn man es weiss.

Rafael Padilla scheint, so jedenfalls spielen Sie ihn, ein trauriges Leben gehabt zu haben.

Allerdings. Er war traurig, weil er alleine war in allem. Einsam als Afrikaner in Frankreich, als Schwarzer in Paris, der sich mit keinem darüber austauschen konnte, was ihm widerfuhr. Er kam von Kuba nach Frankreich und hatte keinen Kontakt mit seiner Familie mehr. Als Clowns Footit und Chocolat hatten er und sein Partner schnell Erfolg, er verdiente eine Menge Geld, war überall beliebt, blieb aber auf sich gestellt.

In «Chocolat» zeigen Sie ihn als Witzfigur, über die das Zirkuspublikum lacht, weil sie dauernd Prügel bezieht. Zugleich ist er ein sehr stolzer Mensch. Wie geht das zusammen?

Genau dieser Widerspruch hat mich an ihm so interessiert, wobei mir nicht klar ist, wie er selber diesen Widerspruch erlebte. Wahrscheinlich hatte er in dieser Stadt zu dieser Zeit keine andere Wahl, als ihn auszuhalten. Was sollte er anderes machen? Diese Rolle wurde ihm zugesprochen, damit machte er sein Geld. Aber er zahlte einen hohen Preis.

Indem er sich selbst Schaden zufügte: Er verlor Geld beim Spielen, trank, nahm Opium.

Mir gefällt das an ihm, es macht ihn doch modern, zu einer Art Rockstar. Chocolat konnte seinen raschen Aufstieg nicht verkraften. Vergessen Sie nicht, dass Rafael Padilla als Kind von Sklaven auf die Welt kam. Für ihn war der Erfolg Ausdruck von Freiheit, und Freiheit bedeutete für ihn, sich alles zu erlauben. Also auch den Rausch.

Dabei wollte er sich doch von der Abhängigkeit von seinem Partner befreien.

Ja, der Drang wurde immer stärker, bis er die Entscheidung traf und sich von Footit trennte.

Footit, sein Freund und Meister, war homosexuell. Denken Sie, dass er in Chocolat verliebt war? Der Film deutet es an.

Viele Leute sehen das so, und ich gebe ihnen recht. Footit hat sich sehr auf seinen Partner eingelassen, und diese Intensität lässt sich nur durch Liebe erklären oder zumindest durch eine grosse Faszination. Dass Footit homosexuell war, zeigt der Film aber nur verhalten, deutet es in einer Szene an. So kann sich jeder seine eigene ­Meinung bilden.

Offensichtlich handelte es sich um eine tiefe, aber auch schwierige Beziehung.

Das ist bei künstlerischen Partnerschaften nun mal so. Ich habe es selbst erlebt.

Sie haben mit Fred Testo als Komiker debütiert im Radio, dann im Fernsehen. Auch «Intouchables» und «Samba» mit Charlotte Gainsbourg leben von Duos. Wieso liegt Ihnen das?

Am Anfang hat es sich so ergeben, in der Folge kam es mir entgegen. Ich arbeite sehr ­gerne mit Partnern zusammen.

Sie sind als Schwarzer in Frankreich aufgewachsen. Haben Sie selbst rassistische Erfahrungen machen müssen?

Man muss die Verhältnismässigkeit wahren. Rafael Padilla lebte im Frankreich der Jahrhundertwende, ich kam 1970 zur Welt, wuchs also in den Achtzigern auf. In diesen siebzig Jahren sind wir doch ein wenig weitergekommen (lacht). Ich behaupte nicht, dass es keinen Rassismus mehr gebe, aber er manifestiert sich anders, subtiler. Damals fragte man sich ernsthaft, ob Schwarze den Weissen als Menschen ebenbürtig seien. Als ich aufwuchs, gab es noch einiges zu regeln, also haben wir es geregelt.

Jean-Marie Le Pen beklagte sich noch vor wenigen Jahren, die Fussballnationalmannschaft sei nicht französisch. Und seine Tochter Marine könnte als Premierministerin gewählt werden.

Das gehört auch zu diesem Land und seiner Geschichte. Auch deshalb haben wir diesen Film gemacht. Und um an einen Komiker zu erinnern, der komplett aus der Erinnerung gelöscht wurde. Footit blieb im Gedächtnis, Padilla ging vergessen. Dabei haben die beiden den weissen Clown und den dummen August geschaffen, allgemeiner gesagt: das komische Duo, was den Zirkus und überhaupt die ­Komik stark beeinflusst hat. Das hatte es vorher nicht gegeben.

Aber seither: Hugh Laurie und Stephen Fry, Oliver Hardy und Stan Laurel, John Belushi und Dan Aykroyd, oder bei Beckett Estragon und Wladimir.

Genau, und Rafael Padilla hat es miterfunden. Schon deshalb ist es wichtig, an ihn zu erinnern.

Über die Pariser Attentate des 13. November haben sich viele französische Künstlerinnen und Künstler geäussert, rasch und heftig, Sie hielten sich lange zurück. Warum?

Weil mich in solchen Situationen zwar die Trauer ergreift, nicht aber das Bedürfnis, sie mitzuteilen. Ich sehe nicht ein, was so etwas bringen soll. Dazu kommt der Respekt vor den Familien und Freunden derer, die getötet wurden. Mich ­öffentlich mit Kommentaren aufzudrängen, während diese Leute trauern, stört mich. Es ist nicht nötig, in jedes Mikrofon hineinzureden, das ­einem entgegengehalten wird und alles weiterverbreitet, was man sagt, nur weil man berühmt ist.

Ihre Berühmtheit haben Sie dem Film «Intouchables» zu verdanken, der als kleine Komödie begann und zum drittmeist­ gesehenen Film Frankreichs avancierte. Wie haben Sie Ihren Erfolg wahrgenommen?

Als Geschenk.

© Tous droits réservés Tages-Anzeiger. Fourni par Tages-Anzeiger Archiv
SRF, 01/08/2018
© Tous droits réservés SRF. Fourni par SRF Archiv
Profil, 01/08/2018
© Tous droits réservés Profil. Fourni par Profil Archiv
Interview avec Roschdy Zem
/ Profil
fr / 14/01/2016 / 12‘20‘‘

Making-Of: Special effects
/ Mikros
en / 22/02/2016 / 3‘56‘‘

Footit & Chocolat dans Guillaume Tell (Lumières, 1900)
/ Martine Derrier
fr / 06/03/2016 / 3‘58‘‘

2 Films Lumières à propos de Rafael Padilla dit Chocolat.
/ Digital Ciné
fr / 11/02/2015 / 2‘02‘‘

Données du filmo

Autres titres
Monsieur Chocolat DE
Genre
Comédie, Drame
Durée
110 Min.
Langue originale
Français
Ratings
cccccccccc
ØVotre évaluation7,0/10
IMDB:
7,0 (6403)
Cinefile-User:
< 10 votes
Critiques :
< 3 votes

Casting & Equipe techniqueo

Omar SyChocolat
James ThiérréeFootit
Clotilde HesmeMarie
PLUS>

Bonuso

iVidéo
Interview avec Roschdy Zem
Profil, fr , 12‘20‘‘
s
Making-Of: Special effects
Mikros, en , 3‘56‘‘
s
Footit & Chocolat dans Guillaume Tell (Lumières, 1900)
Martine Derrier, fr , 3‘58‘‘
s
2 Films Lumières à propos de Rafael Padilla dit Chocolat.
Digital Ciné, fr , 2‘02‘‘
s
gPresse écrite
Critique critikat.com
Ursula Michel
s
Critique The Guardian
Phil Hoad
s
Critique Süddeutsche Zeitung
Philipp Stadelmaier
s
Interview mit Darsteller Omar Sy
Tages-Anzeiger / Jean-Martin Büttner
s
Hintergrundbericht
SRF / Cynthia Ringgenberg
s
Interview mit Regisseur über seinen Film und Rassissmus heute
Profil / Stefan Grissemann
s
Nous utilisons des cookies pour vous offrir un service personnalisé. Pour plus de détails, voir notre déclaration de protection des données. En naviguant sur cinefile.ch, vous acceptez notre politique d'utilisation des cookies.