Plaire, aimer et courir vite

Christophe Honoré, France, 2018o

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vretour

1990. Arthur a vingt ans et il est étudiant à Rennes. Sa vie bascule le jour où il rencontre Jacques, un écrivain qui habite à Paris avec son jeune fils. Le temps d’un été, Arthur et Jacques vont se plaire et s’aimer. Mais cet amour, Jacques sait qu’il faut le vivre vite.

Après une décennie d'explorations, d'expérimentations et d'errances cinématographiques, Christophe Honoré revient au plus près de ce qui fait la grandeur de son cinéma et livre son film le plus personnel, le plus fort, et surtout le plus abouti. Son chef-d’œuvre, tout simplement.

Frédéric Mignard

Christophe Honoré n’a jamais saisi avec une telle intensité les hésitations amoureuses, la certitude de l’éphémère et l’intrigante osmose entre la douceur du sexe et sa crudité.

Pierre Murat

Christophe Honorés («Les chansons d’amour») persönlich grundierter Liebesfilm ist bis in die Nebenrollen gut besetzt und ebenso bildungsbeflissen wie berührend, ohne der Rührseligkeit zu verfallen. Ein Stück queeres französisches Autorenkino für Erwachsene, die sich nicht gern unter ihrem Niveau rühren lassen.

Julia Marx

Man muss kein großer Fan von Christophe Honoré sein, um diesen Film berührend zu finden: Die Liebesgeschichte zwischen einem 1993 an Aids erkrankten Schriftsteller (Pierre Delandonchamps) und dem jungen Bretonen Arthur (Vincent Lacoste) beginnt wie eine heitere Flipperpartie und entwickelt sich konsequent zum Gang in die Nacht. Außerdem sieht man kurz das Grab von François Truffaut. So ein Film kann unmöglich schlecht sein.

Philipp Stadelmaier

Galerie photoso

Filmexplorer, 30/10/2018
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Les Inrocks, 06/05/2018
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Le Monde, 09/05/2018
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Film Comment, 27/09/2018
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27/10/2018
Liebe auf Abruf

Christophe Honorés Film "Sorry Angel" erinnert an die schwule Künstlerszene im Paris der Neunzigerjahre, eine Zeit voller Lebenshunger, in der der Tod plötzlich allgegenwärtig war.

De Philipp Stadelmaier 

"Sorry Angel" beginnt wie eine Flipperpartie. Das jedenfalls ist das Bild, das einem schon beim Vorspann in den Sinn kommt. Bilder von Paris poppen abrupt hintereinander auf, dann die Körper der Hauptdarsteller in willkürlichen Posen - als würde eine Metallkugel zwischen ihnen hin und her schießen, zurückgefedert werden, auf einen neuen Boller prallen, weiterrasen.

Die Welt im Jahr 1993 blinkt und leuchtet, wie im Vorspann. Und so, wie die unsichtbare Metallkugel durch sie hindurch- saust, kann man sich durch sie hindurch-schleudern lassen, auf der Suche nach dem nächsten Körper, dem nächsten Abenteuer. So scheint Jacques zu leben, Mitte dreißig, der am Anfang des Films in einem Pariser Restaurant auf einen Liebhaber wartet, der sich verspätet, irgendwann doch kommt. Der Junge redet wie ein Wasserfall. Er bietet an, Jacques später noch zu begleiten. Letztlich tut er es doch nicht. Die Sache ist etwas Unverbindliches. Jacques nimmt es mit Humor. Für Unverbindliches gibt es genug Gelegenheiten.

Ebenso selbstbewusst wie Jacques ist Christophe Honoré. Der nennt im Vorspann nur seinen Nachnamen: "Regie: Honoré." Mehr braucht es nicht in Frankreich, denn alle kennen ihn: Honoré ist ein renommierter Autorenfilmer, sein neuer Film "Sorry Angel" war dieses Jahr einer der französischen Beiträge im Wettbewerb der Filmfestspiele in Cannes.

Auch Jacques (Pierre Deladonchamps) ist ein Künstler. Ein Schriftsteller. Einen neuen Körper, auf den er bald aufprallen wird wie eine Flipperkugel, findet der Film in Form des jungen Arthur (Vincent Lacoste), der einige Zeit mit einer Frau zusammen war, aber auch schwul lebt. Sie lernen sich in einem Kinosaal kennen, als Jacques in die Provinz fährt, wo ein Theaterstück von ihm aufgeführt wird. Das Leben, sagt Arthur, sei besser als jeder Film. Das Leben sei dümmer als jeder Film, entgegnet Jacques. Auf Jacques' Frage, ob er schon mal ein Buch von ihm gelesen habe, antwortet Arthur wiederum: Ich lese nicht die lebenden Autoren. Jacques antwortet: Dann brauchst du bei mir ja nicht mehr lange zu warten.

Dass für Jacques das Leben schlechter ist als jeder Film, und die Filme und Bücher das bessere Leben sind, das kommt daher, dass sich sein eigenes Leben dem Ende zuneigt. Jacques ist an Aids erkrankt - im Jahr 1993 quasi ein Todesurteil. Einer seiner Exfreunde liegt schon im Sterben, wird von ihm zeitweise gepflegt. Jacques zerrt ihn, der sich kaum noch bewegen kann, einmal zu sich in die Badewanne, will Sex mit ihm. Aber am Ende hält er doch nur seinen mit Ekzemen übersäten, abgemagerten Körper fest. Ihm steht bald ähnliches bevor.

Weswegen in "Sorry Angel" die Lebendigkeit und die Körper, die sich suchen und aufeinanderprallen, von Anfang an von dem Wissen begleitet werden, dass das alles umsonst gewesen sein wird. Ein Quickie in einem Hinterhof mit Arthur, eine Nacht im Hotelzimmer: Wenn da echte Liebe im Spiel ist, so kann das Leben doch nicht mehr gegen die Krankheit gewonnen werden. Jacques weiß, er kann noch ein wenig genießen - aber nur um den Preis, dass er die Leute, die ihn umgeben, bald nicht mehr lieben können wird. Weswegen er oft denkt, sie auch jetzt schon nicht mehr lieben zu können. Sein Nachbar und Freund stellt daher schnell fest, dass Jacques mit zunehmender Krankheit auch zunehmend zu einem arroganten Arschloch wird. Natürlich ist Jacques trotzdem auch ein Liebender. Und so entwickelt sich die Liebesgeschichte zwischen ihm und Arthur als Widerstreit zwischen dem Suchen nach Nähe und der Flucht in die Distanz.

Wenn einen das Leben ankotzt, weil man stirbt, bleibt einem immer noch die Kunst. Und wenn man zu stolz ist, als sterbender Mann seinem Lover gegenüberzutreten, muss man ihn eben am Telefon mit Bildung beeindrucken. Arthur hat gerade selbst einen blonden Jüngling abgeschleppt, als Jacques ihn anruft und ihm die verschiedenen Typen erklärt, an die man so geraten kann. Walt Whitman, Christopher Isherwood und W. H. Auden sind dabei die Namen schwuler Schriftsteller, die ihm in seiner Vorlesung als Referenzen dienen. Da gibt es den Idealtypen, den falschen Idealtypen, die Schlampe, den Durchschnittsboy... Arthur macht sich am anderen Ende der Leitung eifrig Notizen. Welcher Typ ist wohl sein blonder Toyboy im Schlafzimmer?

Wenn hier der Schriftsteller-Autor Jacques literarisch auftrumpft, dann gilt das natürlich auch für den Filmemacher-Autor Honoré. Auch mit Verweisen auf die Filmgeschichte hält sich Honoré nicht zurück, als guter französischer Autorenfilmer kennt er diese wie seine Westentasche. Schon in seinen früheren Filmen wie "In Paris" und "Chanson der Liebe", verspielte Musicals und Dreiecks-Liebesgeschichten, hatte er die Nouvelle Vague von Truffaut bis Jacques Demy, der 1990 auch an Aids gestorben ist, rauf und runter zitiert. In "Sorry Angel" erinnert die Sturheit der Figuren, die Zerrissenheit zwischen Stolz und Begehren, an die widerborstigen Personen bei André Téchiné, der später mit "Wir waren Zeugen" der Aids-Epoche ein filmisches Denkmal gestiftet hat.

Interessant sind aber vor allem die Poster, die an den Wänden der Wohnungen hängen: Filmplakate von "Boy Meets Girl", dem Debütfilm von Leos Carax, und von "Querelle", dem letzten Film von Fassbinder, beide aus den Achtzigerjahren. Es sind erste und letzte Filme, ebenso wie es hier um eine erste und um eine letzte große Liebe geht. Und das ist, bei aller Augenzwinkerei in Richtung des cinephilen Zuschauers, dann doch ganz schön.

Man muss kein großer Fan von Honoré und nicht mal dieses Filmes sein, um ihn dennoch berührend zu finden. Es reicht, ein Fan von Truffaut zu sein. Denn gegen Ende des Films steht Arthur an Truffauts Grab in Paris. Auch Arthur will Filmemacher werden, wie Honoré. Aber in diesem Moment weicht auch schon die Euphorie filmgeschichtlichen Zitierens und die Selbstbespiegelung des französischen Autorenfilmers Honoré einer düsteren Ahnung: Dieser Film ist gar keine Feier des Kinos. Dieser Film ist ein Grab.

Aus diesem Grund lohnt es sich, noch den Abspann des Films auszusitzen. Um zu sehen, was sich im Vergleich zum Vorspann geändert hat. Das flapsige und heitere Aufpoppen von Bildern und Namen ist passé, verwandelt in einen großen, weißen Schriftblock, der in der Dunkelheit langsam abläuft. Als würde es sich um die Inschrift auf einem Grabstein handeln. Vor einem Film, der wie eine Flipperpartie beginnt und wie eine Beerdigung endet, kann man schon mal seinen Hut ziehen.

© Tous droits réservés Süddeutsche Zeitung. Fourni par Süddeutsche Zeitung Archiv
10/05/2018
© Tous droits réservés critic.de. Fourni par critic.de Archiv
Gespräch mit Christoph Honoré
N.N. / ARTE
de / 08/05/2018 / 9‘10‘‘

"Plaire aimer et courir vite" - Rencontre avec Vincent Lacoste
/ Arte Cinéma
fr / 10/05/2018 / 6‘00‘‘

Interview de Christophe Honoré, Vincent Lacoste, Pierre Deladonchamps
/ Festival de Cannes (Officiel)
fr / 11/05/2018 / 14‘20‘‘

Christophe Honoré en toute intimité
Claire Chazal / Entrée libre
fr / 25/10/2018 / 5‘32‘‘

Harry Nilsson: "One" (Song from the Soundtrack)
De Harry Nilsson / Harry Nilsson
en / 2‘22‘‘

Données du filmo

Autres titres
Sorry Angel DE
Sorry Angel EN
Genre
Drame, LGBT
Durée
132 Min.
Langue originale
Français
Ratings
cccccccccc
ØVotre évaluation6,7/10
IMDB:
6,7 (2562)
Cinefile-User:
< 10 votes
Critiques :
< 3 votes q

Casting & Equipe techniqueo

Vincent LacosteArthur Prigent
Pierre DeladonchampsJacques Tondelli
Denis PodalydèsMathieu
PLUS>

Bonuso

iVidéo
Gespräch mit Christoph Honoré
ARTE, de , 9‘10‘‘
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"Plaire aimer et courir vite" - Rencontre avec Vincent Lacoste
Arte Cinéma, fr , 6‘00‘‘
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Festival de Cannes (Officiel), fr , 14‘20‘‘
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Christophe Honoré en toute intimité
Entrée libre, fr , 5‘32‘‘
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gPresse écrite
Critique Filmexplorer
Sabrina Schwob
s
Critique Les Inrocks
Jean-Marc Lalanne
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Critique Le Monde
Jacques Mandelbaum
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Interview with director Christophe Honoré
Film Comment / David A. Gerstner
s
Critique Süddeutsche Zeitung
Philipp Stadelmaier
s
Critique critic.de
Till Kadritzke
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hAudio
Harry Nilsson: "One" (Song from the Soundtrack)
Harry Nilsson / en / 2‘22‘‘
s
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